Bernd Klostermann verabschiedet sich als Fußballabteilungsleiter

26.03.2019 08:45

18 Jahre erfolgreiche Arbeit

"18 Jahre lang habe ich als Abteilungsleiter Fußball hier an dieser Stelle meine Berichte abgeliefert. Große und viele Worte waren nie mein Ding, aber da ich nun aus familiären Gründen mein Amt aufgebe, wird dies heute mein letzter Bericht sein, daher möchte ich ein paar Sätze über meine gesamte Amtszeit loswerden.

Deshalb müsst ihr mir heute ein bisschen länger zuhören:

2001 übernahm ich die Abteilung Fußball von meinem Bruder Peter, der diese 14 Jahre lang führte. Aber nicht nur er hörte auf, sondern auch Sven Seiler als Trainer und wichtiger Spieler sowie erfolgreiche alte Recken wie Peter Seitz, Fritz Kirchner, Manne Bleile und Klimis Karamanlis.

Zusammen mit meinem Stellvertreter Ralph Frey, also „Rambs“, der mir bis heute die Treue hielt, gingen wir voller Elan an einen Neuaufbau mit einer ganz jungen Mannschaft heran:

Ich konnte einen Trainer namens Miran Rojko verpflichten.

Dieser brachte Fatih Yildirim mit, junge Spieler wie Markus Labusch oder die Jakisch-Brüder Christian und Daniel etablierten sich in der  1. Mannschaft und aus der eigenen A-Jugend kamen  noch jüngere Kerle  wie Bekir Kicir und Tolga Adiyaman hinzu. Ein Jahr später Eugen Weber und ein gewisser Alexander Hoffart.

Mit dieser jungen, lernwilligen Truppe und ihrem Coach Miran Rojko machte es unheimlich Spaß und es entwickelte sich eine tolle Gemeinschaft. Kein Wunder, dass Miran’s erste Amtszeit bei uns 8 Jahre dauerte  . . . !

Bereits im 2. Jahr stiegen wir als sehr souveräner Meister in die Kreisliga A auf.  Dies war unser erster gemeinsamer Erfolg  . . .  

Bereits 3 Jahre später, also 2006, schrammten wir knapp an der Meisterschaft in der Kreisliga A vorbei und verpassten mit einer unglücklichen Niederlage in der 2. Relegationsrunde ganz knapp den Bezirksliga-Aufstieg!

Wir hatten bis auf wenige Ausnahmen eine wirklich schöne Zeit zusammen und erzielten für den TSV Grünbühl große sportliche Erfolge:
An erster Stelle steht natürlich, dass wir ohne irgendetwas an unsere Spieler zu zahlen, 2015 nach 30 Jahren wieder in die Bezirksliga aufgestiegen sind. Ich bekomm heute noch Gänsehaut, wenn ich an die entscheidenden Minuten kurz vor Spielende denke, als Alex Hoffart vor einer großen Zuschauerkulisse, einen Tag nach seiner Hochzeit, per 11m das entscheidende 3:1 erzielte und hier alle Dämme brachen . . .

In der gleichen Saison schafften es unsere Fußballer im Bezirkspokal bis ins Halbfinale. Soweit hatte es der TSV seit 51 Jahren nicht mehr geschafft und wir wurden wieder Stadtpokalsieger!

In der Summe war das eines der erfolgreichsten Jahre des TSV Grünbühl!

Der nächste große Erfolg sollte bereits 2 Jahre später kommen. Nach einem äußerst unglücklichen Abstieg schafften wir das Kunststück und stiegen 2017 postwendend wieder in die Bezirksliga auf.

Sportliche Erfolge waren natürlich auch die Stadtpokalsiege 2013 und wie erwähnt 2015. Bis 2013 hatte der TSV diesen Titel bereits seit 19 Jahren nicht mehr geholt!

Ein weiteres Highlight war 2017 die Teilnahme an der großen Amateurfußball-Gala im Sindelfinger Glaspalast. Nach mehreren Siegen, größtenteils gegen höherklassige Teams kegelten wir im Achtelfinale den Verbandsligist Neckarrems raus. Erst im Viertelfinale, indem nur noch Vereine von der Landes- bis zur Oberliga vertreten waren, scheiterten wir trotz Führung am Oberligisten Freiberg.

Auch unsere II. Mannschaft hatte eine erfolgreiche Zeit:

2005 stieg sie in die Kreisliga B auf und bis zur Abschaffung der C-Liga nie mehr ab! Für unseren kleinen Verein ist auch das als Erfolg zu werten.

Unsere Zweite wurde  2x als Pokalbester aller B-Ligen des Bezirkes ausgezeichnet und in der laufenden Saison spielen wir sogar vorne mit!

Das alles waren für den TSV Grünbühl tolle sportliche Erfolge, auf die wir als kleiner Verein sehr stolz sein können!

Erfolg  wird heutzutage leider fast nur noch am Tabellenplatz gemessen!

In einem funktionierenden Sportverein gibt es jedoch viel wichtigere Dinge als den reinen sportlichen Erfolg! Natürlich ist jeder Sieg ein schönes Gefühl, jede Meisterschaft ein Highlight, aber . . . noch stolzer bin ich persönlich auf ganz andere Dinge, die wir gemeinsam erlebt und erreicht haben:

Erfolg ist für mich,

mitzuerleben, wie sich junge Kerle aus der TSV-Jugend wie z.B. Alex, Bekir, Tolga, Manu und viele andere, sportlich und vor allem menschlich weiterentwickeln, den Weg in ihren Berufen gehen, Familien gründen und in manchen Fällen beim TSV als Trainer oder in anderen Funktionen Verantwortung übernehmen.  

Erfolg ist für mich,

trotz hartem Bezirksliga-Aufstiegskampf bis zum letzten Spieltag im Jahr 2015 auch in der WFV-Fairnesstabelle Meister geworden zu sein!  

Erfolg ist für mich,

mit einer stets multikulturellen Truppe Ausflüge nach Slowenien, Polen oder Mallorca zu unternehmen und fast jedes Jahr ins Trainingslager zu fahren, ohne irgendwelche Probleme! Überall waren wir willkommen und bei unseren Gastgebern gern gesehen! Unser Ex-Coach Miran sagt heute noch, dass er keine andere seiner Mannschaften mit in seine Heimat genommen hätte! In seiner Heimat Slowenien waren wir sogar zweimal mit unserer Truppe und einigen Funktionären des TSV.

Erfolg ist für mich,

im Hintergrund, abseits des Fußballplatzes, den Ruf meines Vereins auf verschiedenen Ebenen verbessert zu haben:

Aufgrund meiner Initiative gelang es 2015 erstmals, einen bereits verkündeten Beschluss des WFV-Bezirksvorstandes rückgängig zu machen! Es stand fest, dass wegen des Schrumpfens der Anzahl teilnehmender Mannschaften am Spielbetrieb eine der 3 A-Ligen abgeschafft werden sollte. Zusammen mit dem SB Asperg hatte ich dann alle Vereine unseres Bezirkes angeschrieben und erhielt die Zustimmung von 84 Klubs, darunter auch unsere Ober- und Verbandsligavereine. So konnten wir Vereine gemeinsam den Beschluss noch kippen.

Im Gegenzug brachte ich meinen Antrag, die Kreisliga C abzuschaffen, erfolgreich durch!

Nicht zuletzt aufgrund dieser Ereignisse wurde ich fortan zu mehreren Sitzungen des WFV-Bezirksvorstandes und sogar als Delegierter des Bezirkes Enz-Murr zum Verbandstag nach Sindelfingen eingeladen.

Ebenso wurde ich im Namen des TSV Grünbühl nach Ruit eingeladen, als einer von nur 60 Vereinen von ganz Württemberg, um an einer Tagung, bei der Vorschläge für eine Verbesserung des Spielbetriebes eingebracht und diskutiert wurden, teilzunehmen.

Auch verschiedene Tageszeitungen unserer Gegend legten auf Wert auf die Meinung aus Grünbühl!

Erfolg ist für mich,    

wenn man seinen erreichten Level über viele Jahre halten bzw. weiter ausbauen kann – also Konstanz!

Unser 1. Vorsitzender Kurt Kriegisch lebt Konstanz vor, denn ich habe in meinen 18 Jahren Amtszeit nur ihn als Präsident gehabt.

Genauso unsere Presseabteilung, Walter Heger und Charly Jakob, die seit Jahrzehnten ihren Job auf hohem Niveau ausführen.

Auf genau diese Konstanz haben auch wir in der Fußballabteilung hingearbeitet:

Hierfür stehen nicht nur meine 18 Jahre, sondern auch die meines Stellvertreters Rambs, der mir über die gesamte Zeit loyal zur Seite stand.

Ganz wichtig hierbei war, dass wir in die Trainerfrage Konstanz hineinbrachten, ist doch unser jetziger Trainer Markus Fendyk in diesen 18 Jahren erst der 5. Trainer, wobei er sogar erst seit einem halben Jahr tätig ist.

Worauf wir besonders stolz sind, ist die Tatsache, dass wir unseren Spielerstamm immer halten konnten. Wir haben nicht wenige Spieler, die weit über 200 Verbandsspiele für die beiden Mannschaften des TSV bestritten haben.

So kommt es nicht von ungefähr, dass in dieser Zeit einige Vereinsrekorde, die unsere Konstanz bestens zum Ausdruck bringen, aufgestellt wurden:

Rekord-Abteilungsleiter, Rekord-Trainer, Rekord-Spieler und Rekord-Torjäger!

Es ist relativ leicht, einen Verein mit viel Geld ganz schnell in höhere Ligen zu katapultieren, da gibt es genügend Beispiele im näheren Umkreis. Der erreichte Level konnte dann aber meist nur über kurze Zeit gehalten werden und danach ging es wieder ganz schnell bergab und hat manches Vereinsleben total zerstört!

Es ist viel schwieriger und wichtiger, mit viel Engagement einen gewissen Standard zu erreichen, auszubauen und dann zu halten, um ein funktionierendes Vereinsleben zu sichern!

Dafür ist allerdings sehr viel ehrenamtliche Arbeit notwendig, man muss mehr machen als andere Vereine.

Mein Credo, und das haben wir unseren Spielern immer gepredigt, war:

„Wir machen und geben Euch fast Alles – nur kein Geld !“

In der Summe hatten meine 18 Jahre als Abteilungsleiter viel mehr Höhen als Tiefen und ich bin stolz darauf, dass ich dem TSV Grünbühl  Vieles zurückgeben konnte, was ich bekommen hatte:

1973 hatte mich mein Vater, obwohl wir in der Stadtmitte wohnten, hier in der E-Jugend angemeldet. 9 Jahre in der Jugend, mit Ausflügen nach Österreich, Südtirol und Amsterdam,

9 Jahre mit vielen tollen Erlebnissen und großen Erfolgen.

Je öfter uns die Gegner, vor allem aus dem Leonberger Raum, bereits in der Jugend als „Polacken-Schweine“ beschimpften, desto mehr hat uns das zusammengeschweißt!

In der A-Jugend und ab 1982 bei den Aktiven nahm ich als Spieler Teil an den sportlich erfolgreichsten Zeiten des TSV Grünbühl, machte aber auch die Abstiege in die Kreisliga A und dann sogar in die Kreisliga B mit.

Aber ob Bezirksliga oder Kreisliga B – wir hatten immer unheimlich viel Spaß und eine gute Kameradschaft und standen immer zum TSV!

Dies habe ich in den letzten 18 Jahren versucht, an unsere jungen Spieler weiterzugeben . . .

Der TSV Grünbühl war und ist für mich immer eine Herzensangelegenheit und ich halte es wie in der Ehe: In guten wie in schlechten Zeiten . . . !

Zu guter Letzt bedanke mich bei unserem Vorstand Kurt und Peter für die Unterstützung in all den Jahren, bei Walter und Charly für die tolle Zusammenarbeit und für den ständigen angenehmen und oft lustigen Gedankenaustausch,

bei meinem Stellvertreter Rambs für seine Treue und Loyalität über die lange Zeit, bei unserem „positiv-verrückten“ Edy für seine Arbeit und tolle Ideen und bei all unseren Trainern und Betreuern während dieser 18 Jahre für Ihren Einsatz.

Natürlich danke ich auch allen Anderen, die uns immer wieder geholfen haben. Da ich niemanden vergessen will, nenne ich lieber keine weiteren Namen.

Ein großer Dank geht an unsere Privatsponsoren, die uns größtenteils seit 2001 mit einem monatlichen Betrag unter die Arme greifen und an die Fa. Hemmerich Packaging, die uns auch seit Jahren großzügig unterstützt. An diese Sponsoren habe ich die Bitte, Ihr finanzielles Engagement weiterzuführen, da es schließlich nicht um meine Person  geht, sondern um die Fußballer des TSV Grünbühl. 

Ich werde das Geld, das per Daueraufträge reinkommt, natürlich an die neue Abteilungsleitung weiterleiten und werde mich selber als Privatsponsor anschließen.

Den aktuellen Trainern Markus, Manu, Alex und Davide, unseren beiden Mannschaften und  meinem Nachfolger Rambs mit seinem „Helfer-Team“ wünsche ich den größtmöglichen Erfolg und dass es Euch soviel Spaß bereitet, wie es mir bereitet hat.
Ich hoffe, Ihr bleibt in dieser Konstellation noch lange zusammen.
Ihr seid momentan wirklich auf einem guten Weg, macht weiter so!

Vielen Dank fürs Zuhören!"

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Aktualisierung:22.08.2019