Hätten Sie's gewußt ? - Katsche ist ein Sechziger

22.06.2015 09:06

Armin Klostermann, von Freunden "Katsche" genannt, hat am 04.06. seinen 60.Geburtstag gefeiert. Er hat so unsäglich viel für den TSV Grünbühl getan, daß der Schreiber dieser Zeilen sich etwas mehr Zeit als sonst für einen Geburtstagsgruß genommen hat.

Zunächst ein paar ganz persönliche Worte an ihn, bevor das nachfolgende geschrieben wurde:

"Lieber Katsche, im Rummel von Sportwoche, Bezirksligaaufstieg, Erdinger Meister Cup und auch noch ein paar privaten Terminen, habe ich Dich mit Sicherheit nicht vergessen !!! Ich werde in Bälde genügend Senf über Dich dazugeben. Dein Freund Walter"

Nach langem Überlegen habe ich (der Pressewart) mich entschieden, das Leben von Armin Klostermann zu einem Teil von meiner ganz persönlichen Warte aus Revue passieren zu lassen. Nicht zuletzt ist es ja u.a. ihm zu verdanken, daß ich jetzt 30 Jahre diesen Vereinsjob ausübe. Ich habe den Katsche 1975 am Wirtschaftsgyymnasium der Robert-Franck-Schule, damals in der Alleenstraße gegenüber dem alten Stadtbad, kennengelernt. Wir waren zwar nicht in der gleichen Klasse, hatten aber zusammen Volkswirtschaftslehre und Sport (oder hieß das damals noch "Turnen" ?). VWL fand in einem quer zur Karlstraße stehenden alten Gebäude statt. Der Lehrer hieß Hövel und war ungefähr 2,10 m groß. Er fuhr einen Fiat 500, und wir stellten uns vor, wenn er aufrecht sitzt, und das Schiebedach aufmacht, schaut oben sein Kopf raus. Er wurde von den Schülern unserer Klasse nicht besonders ernst genommen. Wenn einer streckte, um etwas zu sagen, stand meistens ein anderer auf und sagte vorher "Klappe, die erste !". Der Sportlehrer war Herr Vogt, und er fuhr einen tiefergelegten Opel GT. Er war der Idealfall eines Sportlehrers, denn bei ihm wurde überwiegend Fußball gespielt. Seine Notengebung sah ungefähr so aus: die guten Fußballer bekamen eine Eins, die einigermaßen guten eine Zwei, und alle anderen auf keinen Fall schlechter als Drei. Zu unseren Schulkameraden gehörten heute prominente Namen wie Christoph Schickhardt und Jürgen Pflugfelder. Der Christoph, da erinnere ich mich ganz genau, erzählte einmal beim Umziehen vor dem Sport, er wäre in London gewesen und habe die "Doors" live gesehen, wobei ihn insbesondere der Schlagzeuger John Densmore beeindruckt habe. Der Katsche war in der Notengebung beim Sport ein Einserkandidat, hatte er doch u.a. mit der A-Jugend des TSV Grünbühl 1973 die Bezirksmeisterschaft gewonnen, und zwar am 03.06.1973, einen Tag vor seinem 18.Geburtstag.

Unter dem neuen Trainer Siegfried Hahn drängten sich 1973/74 neben Armin Klostermann nicht weniger als 9 ehemalige A-Jugendliche für die erste Mannschaft auf. Und beim 4:3 gegen den SKV Ingersheim wurden alle 4 Treffer durch 18-jährige erzielt, drei durch Zbigniew Kosim, einer von Stanislaw Simanek. Im Rückspiel gegen Ingersheim im November erzielte Armin Kostermann, damals in der Abwehr positioniert, sein erstes Tor für die Aktiven.

Natürlich war der Armin auch für die Schulmannschaft der Robert-Franck-Schule aktiv, die 1975 württembergischer Schulmeister (Endspiel in Leinfelden) wurde und sich für das Finalturnier in Berlin qualifizierte. Zur Mannschaft gehörten Leute wie Hartmut Bittner, Ulrich "Lucky" Leitner und Peter Leutenecker (der später in noch jungem Alter verstarb).
Spätestens beim legendären Abi-Ausflug nach Prag, wo wir im Hotel Moran wohnten, stießen der Armin und ich erstmals gemeinsam mit einem Bier an. So kam es dann irgendwie zustande, daß ich zur Saison 1975/76 erstmals vom SKV Eglosheim zum TSV Grünbühl wechselte. Trainer war damals der Teichmann, und ich kann mich an endlose Konditionsläufe den Platz rauf und runter erinnern, und daß sich der Harald Johnson immer lautstark aufregte, wenn er nicht aufgestellt wurde. Ich hatte beim SKV Eglosheim durch meinen Mitspieler Dieter Appel wegen meiner besonderen Art des Lachens den Spitznamen "Gaul" bekommen, und als solcher stellte ich mich beim Gang in die Umkleidekabine auch einem gewissen Charles Jakob vor. In meiner damaligen Grünbühler Zeit traf man sich oft privat, um irgendwo spontan eine Partie zu feiern. Eine davon fand im Garten meines Bruders in Stuttgart-Zuffenhausen statt, wo wir neben Weinreben im Freien nächtigten. Auf dem Foto sehen Sie von links Armin Klostermann, Petra Stadtmüller, Walter Heger und Friedrich Platt.

Auch ein Ausflug an den Titisee ist eine schöne Erinnerung aus dieser Zeit. Außerdem trafen sich der Josef "Juschu" Scherer, der "Jasch" Orzechowski und ich manchmal zum Gitarre spielen. Ich kann mich erinnern, daß wir auf einem kleinen Cassettenrecorder das lange eingeübte "Beautiful sunday" von Daniel Boone aufgenommen haben. Ich bin mir nicht sicher, ob es schade ist, daß dieses Tondokument nicht erhalten geblieben ist. Einmal war ich bei Klostermanns in der Hausmeisterwohnung der Sparkasse am Schillerplatz zu Gast und erinnere mich sehr wohl, daß Armins Mutter eine wunderbare Köchin war, deren Kochkünste der meiner eigenen (aus dem Sudetenland) ähnelten. Schon damals sammelte ich Schallplatten, was auch den Armin interessierte, und wir waren uns einig, daß Creedence Clearwater Revival, die es damals schon gar nicht mehr gab, eine super Gruppe ist.

Nun denn, als ich 1977 für sieben Jahre nach Berlin ging, hatte ich dennoch auch einen Armin Klostermann in Erinnerung, der mich ständig mit meinem Spitznamen "Gaul" aufzog. Was mich ziemlich nervte, ehrlich gesagt ! Vielleicht schnürte ich auch deswegen 1984, als ich zurück nach Ludwigsburg kam, erst einmal wieder für meinen Stammverein SKV Eglosheim die Fußballschuhe. Unser "Katsche" jedoch hatte sich unter Eberhard Rosenberger mittlerweile vom Abwehrspieler zum Stürmer entwickelt. Rechtzeitig zum Ende der Saison 1979/80 wurde er für den aus disziplinarischen Gründen nicht spielenden Bernd Ruf in den Sturm beordert und machte in den letzten 6 Spielen 7 Tore, was ein wesentlicher Beitrag zum Aufstieg in die Bezirksliga war. Aber Armin war nicht nur ein erfolgreicher Fußballer, sondern auch noch Jugendleiter und, zusammen mit Friedrich Platt, Trainer der A-Jugend, die in die Bezirksstaffel durchmarschierte und den Bezirkspokal holte. Zu dieser Mannschaft gehörten u.a. Rychard Maletycz, Bernd Boucek und Friedrich Kirchner. Am 23.Spieltag der Bezirksligasaison 1981/82 fand die aktive Karriere des Armin Klostermann als Fußballer im Spitzenspiel gegen den TV Neckarweihingen, der auch noch durch Gora in der 90.Minute 1:0 gewann, ein jähes Ende. Er verletzte sich so schwer, daß er nie wieder die Fußballschuhe schnüren konnte. Eine Woche zuvor hatte er beim 6:0 gegen den TSV Bönnigheim, der höchste Bezirksligasieg in der Geschichte des TSV, seine letzten beiden Tore erzielt.

Als in der Bezirksligasaison 1982/83 schon früh Lothar Weise sein Traineramt aufgab, und Erich Ahles und Emil Lieb ihn zwischenzeitich ablösten, fand sich in Armin Klostermann, der die A-Jugend so erfolgreich gecoacht hatte, ein neuer Trainer, der die Mannschaft bis zum Saisonende übernahm, und die Bezirksliga halten konnte. In der Saison 1983/84 wurde Trainer Rainer Jakesch nach bereits 9 Tagen wieder entlassen, Richard Zmarlak betreute die Mannschaft zwischenzeitich, dann aber wurden für längere Zeit Armin Klostermann und Bruno Polziehn ein erfolgreiches Trainergespann. Zunächst aber musste der Abstieg aus der Bezirksliga in Kauf genommen werden. Man hatte zwar eine sehr gute Abwehr, aber zu wenig treffsichere Schützen. Daß Friedrich Kirchner mt 7 Treffern interner Torschützenkönig wurde, sagt alles.

Der Armin und der Bruno waren ein ideales Gespann. Akribisch wurde der Wiederaufstieg geplant, beginnend mit einem professionell organisierten Trainingslager in Bayern. Schon damals entwickelte der "Katsche" ein gutes Gespür dafür, die geeigneten Leute um sich herum als Unterstützer zu scharen. Als der Schreiber dieser Zeilen dann in der zweiten Hälfte der Saison 1984/85 dann doch (zum zweiten Mal) vom SKV Eglosheim nach Grünbühl wechselte, machte er Bekanntschaft mit einem Trainingsprogramm, daß, wohl untypisch für untere Klassen, abwechslungsreich und fachmännisch ausgeklügelt war. Und der "Katsche" hielt in den Mannschaftsbesprechungen brilliante Ansprachen in einem hochschulreifen Sportlehrerdeutsch, die mich sehr beeindruckten. Das war etwas, bei jemandem, der mir als einer, der dauernd "wieher doch mal wieder !" zu mir gesagt hatte, sofort auffiel.

Charles Jakob hatte damals angefangen, den Spielern gegen Abend im Vereinsheim nach dem Spiel auf Schreibmaschine geschriebene Spielberichte zu präsentieren, worauf diese immer gespannt warteten. Eine Vereinszeitung musste her, darüber waren sich Armin Klostermann und der damalige Abteilungsleiter Claus Hemmerich einig. Gerne nahm ich, ein entsprechendes Studium hinter mir, das Amt des Schreiberlings an. Armin Klostermann ist einer der Väter von "sport info",und später auch der TSV-Homepage. Alleine das sind große Verdienste !!!

Nach zwei weiteren Jahren Bezirksliga kam 1987 der tragische Abstieg mit 26:34 Punkten. Nach einem Jahr unter Georg Geier kehrte Armin Klostermann für die Saison 1988/89 als Trainer zurück, doch zu viele Spieler hatten den Verein verlassen, und es ging gegen den Abstieg, der im vorletzten Spiel mit einem Sieg gegen Markgröningen verhindert wurde. Unser Cheftrainer hatte in weiser Voraussicht für die wegen Feiertagen folgende Spielpause vor dem letzten Spieltag eine Reise der Mannschaft an den Plattensee organisiert, die man nun ohne Sorgen geniessen konnte. Bei einem Essen in Budapest bestellte einer aus der Grünbühler Reisegesellschaft im Restaurant eine Flasche Krimsekt. Auf die Frage der Bedienung "wieviel Gläser", antwortete er "eins". Erkennen Sie unten einige Protagonisten auf dem Bahnhof in Siofok ?



1990 wurde "Katsche" Trainer beim Bezirksligisten TSV Münchingen, später auch noch dem SB Asperg. In der legendären Saison 1990/91 kehrte er (schon wieder) als Trainer zurück, als die Mannschaft Ende des Jahres aussichtslos am Tabellenende stand, und dann eine sensationelle Aufholjagd startete.

1998 hatte Armin Klostermann die glorreiche Idee, ein Jugendturnier ins Leben zu rufen, das sich später zu einem Aushängeschild des TSV Grünbühl entwickeln sollte. Damals noch als "Wüstenrot Cup" gastierte gleich im ersten Jahr mit dem VfB Stuttgart ein prominenter Club - mit seinen Bambinis und Zaungästen wie Karlheinz und Bernd Förster in Grünbühl. Armin war mittlerweile Geschäftsführer des TSV und organisierte im Hintergrund, neben dem immer größer werdenden Jugendturnier auch die Sponsorenseite. Mit dem "Wüstenrot Cup", später "Diezel Cup" wurde dem TSV Grünbühl, der nun regelmäßig auch in der Presse gewürdigt wurde, ein guter Name verschafft. 2004 kam der TSV Grünbühl anlässlich der Auslosung für den Diezel Cup 2004 durch Hans "Buffy" Ettmayer erstmals in der BILD-Zeitung. 2005 gab es den Anerkennungspreis von "Toto Lotto" für die Aktion "Kinder spielen für Kinder", was sich 2007 wiederholte. Armin Klostermann hatte Kontakt geknüpft mit Ilse Irmgard Dörges von der "Sabine Dörges Stiftung für krebskranke Kinder und Jugendliche", für die nun alljährlich Erlöse aus dem Beiprogramm des Diezel Cup gespendet werden. 2010 wurde die Spendensumme von 10.000 EUR überschritten.

2010 entschloss sich dann Armin Klostermann, der jahrelang einen Großteil seiner Freizeit für den Verein geopfert hatte, einen Schlußstrich zu ziehen. Insbesondere die Organisation des DIEZEL CUP hatte ihn fast das ganze Jahr in Anspruch genommen. Das Privatleben kam zu kurz. Dank seiner Bemühungen gastierten renommierte Vereine wie SpVgg Greuther Fürth, Dynamo Dresden, FC Augsburg, Stuttgarter Kickers, FSV Frankfurt, Waldhof Mannheim, Grashopper Club Zürich, FC St. Gallen u.a. in Grünbühl. Und sein Wertlegen auf ein attraktives Beiprogramm, Geschenke für "alle" Spieler, sowie ein Essensangebot, daß über Rote und Pommes hinausgeht, hat sich herumgesprochen. Gut gemacht, Katsche !

Armin Klostermann wurde von Kurt Kriegisch anlässlich seines Abschieds zurecht zum Ehrenmitglied des TSV Grünbühl ernannt !!! Auch wenn er mich 1986 in Murr nicht einmal auf die Ersatzbank der Reserve setzte.

Katsche, nachträglich alles Gute zu Deinem 60.Geburtstag !!!

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Aktualisierung:11.12.2018